Amanda & Johann Hinrich Wichern · Briefe 1837–1857
Geleitwort · Einführung · chronologisches Verzeichnis der Korrespondenz
| Nr. | Datum / Ort | Absender | Empfänger / Hinweis | Seite (Briefwechsel) | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Bremen, 11./12. August 1837 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 43–50 | ➤ Zum Brief |
| 2 | Bremen, 18./19. August 1837 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 50–53 | ➤ Zum Brief |
| 3 | Bremen, 20. September 1839 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 54–57 | ➤ Zum Brief |
| 4 | Lübeck, 5. September 1840 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 58–64 | ➤ Zum Brief |
| 5 | Bremen, 19./20. September 1840 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 64–69 | ➤ Zum Brief |
| 6 | Lübeck, 30. September 1842 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 70–73 | ➤ Zum Brief |
| 7 | Horn, 2. Oktober 1842 | Amanda Wichern | Johann Hinrich Wichern | 74–75 | ➤ Zum Brief |
| 8 | Lübeck, 3. Oktober 1842 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 75–78 | ➤ Zum Brief |
| 9 | Bremen, 28. April 1843 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 78–80 | ➤ Zum Brief |
| 10 | Lübeck, 6. September 1843 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 80–82 | ➤ Zum Brief |
| 11 | Schwerin, 20. September 1843 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 83–88 | ➤ Zum Brief |
| 12 | Horn, 28. September 1843 | Amanda Wichern | Johann Hinrich Wichern | 89–90 | ➤ Zum Brief |
| 13 | Rostock, 18. Oktober 1843 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 90–92 | ➤ Zum Brief |
| 14 | Celle, 24. Januar 1844 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 92–95 | ➤ Zum Brief |
| 15 | Celle, 25. Januar 1844 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 95–101 | ➤ Zum Brief |
| 16 | Berlin, 27. Oktober 1844 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 102–108 | ➤ Zum Brief |
| 17 | Berlin, 28./29. Oktober 1844 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 109–116 | ➤ Zum Brief |
| 18 | Berlin, 31. Okt./1. Nov. 1844 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 116–126 | ➤ Zum Brief |
| 19 | Berlin, 9./10. November 1844 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 127–134 | ➤ Zum Brief |
| 20 | Berlin, 12. November 1844 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 134–137 | ➤ Zum Brief |
| 21 | Berlin, 13. November 1844 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 137–141 | ➤ Zum Brief |
| 22 | Wedendorf, 18. Juni 1845 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 142–148 | ➤ Zum Brief |
| 23 | Osnabrück, 5. November 1845 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 149–153 | ➤ Zum Brief |
| 24 | Schnackenburg, 8. Juni 1846 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 153–159 | ➤ Zum Brief |
| 25 | Berlin, 10. Juni 1846 | Johann Hinrich Wichern | Amanda Wichern | 159–165 | ➤ Zum Brief |
| … weitere 120 Briefe (vollständige Edition 1837–1857) — aus Raumgründen folgen die vollständigen Transkripte analog. Exemplarisch wird der erste Brief abgedruckt. | |||||
Alle 357 Reisebriefe J.H. Wicherns und 30 erhaltene Briefe Amanda Wicherns; chronologisch nach Datum sortiert. Die Verlinkung führt direkt zu jeder Korrespondenz.
Bremen, Freitag, 11. August 1837
Mein Herz, 1/4 Stunde vor Tisch (1 Uhr) benutze ich, dir einige Nachricht von deinem Hein zu geben. Trotz der enormen Hitze geht es mir außerordentlich wohl; Gemeiners erschöpfen sich an Liebe gegen mich; ein wunderniedlich Stübchen mit Kammer daneben ist mir zu völlig freier Disposition gestellt. Gestern habe ich hier zu Hause niemanden getroffen und die Zeit mit Herrn Gemeiner dazu angewendet, mich hier einigermaßen zu orientieren. Ein Plänchen der Stadt, so groß als das Blatt, das ich dir als Adresse der Stadt Frankfurt geschickt habe, nutzt mir als vollkommener Wegweiser, sodass ich jetzt von Stephani nach Remberti ohne Führer mich zurechtfinden kann. Bremen zeichnet sich durch eine ungemeine Nettigkeit aus; sowie man, 3 Stunden von hier, das Stadtgebiet betritt, merkt man, dass man unter ein andres Völkchen kommt. So ging’s mir wenigstens, als ich von der Hamburger Seite nach Bremen kam. Du kannst den Weg auf der Karte von Harburg aus verfolgen – über Tötensen, Tostedt, Rotenburg, Ottersberg. Dieser Strich des Hannoverschen wird nur anfänglich etwas interessant durch die Hügelreihen, die sich, auch nach der Karte richtig, bis nach Tostedt erstrecken. Danach ist alles öde und leer. Dörfer sieht man selten, und trifft man welche, so sind sie unglaublich ärmlich, meist mit Lehm aufgesetzt. In der ganzen Gegend ist eigentümlich für uns, dass kein Bauernhaus ein Gärtchen bei sich oder um sich hat, sondern sie stehen mitten im Gras und Busch, was dem Ganzen ein wildes Aussehen gibt. Auch im Bremischen traf ich es zuerst so auf dem Lande, mit dem Unterschied der Unreinlichkeit im Hannoverschen und der Reinlichkeit im Bremer Gebiet. Auf dem 3 Stunden langen Bremer Wege bis hierher von der Hannoverschen Grenze her sieht man auch dem niedrigsten Hüttchen der Armut an, dass sein Bewohner es sich was hat kosten lassen, seine Wohnung weiß oder gelb anzustreichen. […]
Bremen hat auf mich einen äußerst angenehmen Eindruck gemacht; man sieht der Stadt noch ihr Alter an, nur hier und da und ist das Altertümliche gar sehr schon durch neue Kalkbauten und Übergüsse verwischt. Die Kirchen sind ansehnlich und groß; das Innere derselben haben wir noch nicht gesehen. Am besten gefällt mir unter den öffentlichen Gebäuden das schöne Rathaus, vor welchem ein ungeheurer Roland steht mit dem Schwerte der Gerechtigkeit. […]
Sonnabendmorgen 10 Uhr
Wir sind gestern nach Arsten gewesen zum dortigen Pfarrer Noltenius. Durch die ungeheure Hitze etc. hatte ich sehr starke Kopfschmerzen bekommen, die immer ärger wurden, besonders da wir noch bis 11 Uhr bei Mallet im Garten beisammen waren. Nachdem ich diesen Morgen aber einen Spaziergang gemacht habe, ist alles Belästigende verschwunden. Eine der lieblichsten Erscheinungen, die mir gestern zu Teil geworden ist, ist der väterliche Greis, Pastor Primarius Müller, ein Herr in hohem Alter, mit großen, silbernen Schnallen an den Knien und auf den Schuhen; der schöne Silberherr ist ein ehrwürdiger Schmied der alles gewinnenden Freundlichkeit. […]
Diesen (Sonnabend) Morgen habe ich einen Weg durch den Teil der Stadt gemacht, wo der ärmere Teil der Bremer Bevölkerung wohnt, in der einen Ecke der Neustadt am Buntentor. […] Auch hier zeigt sich die Bremer Reinlichkeit auf eine auffallende Weise. Die Häuser sehen zwar arm, aber dabei doch nett aus; viele fand ich mit dem Fegen ihrer Straßen beschäftigt; die meisten arbeiteten und sahen heiterer aus als unsere Armen; die Kinder waren in großer Zahl zu sehen, und zwar meist ohne Beschäftigung, doch hat dies seinen Grund in den grade jetzt stattfindenden Ferien. Viel trägt zu dem besseren Zustand der hiesigen Armen gewiss der Umstand mit bei, dass die Leute nicht so gepresst beieinander, unter-, über- und nebeneinander wohnen wie bei uns. Von einem Hamburger Klein Jerusalem hat übrigens ein Bremer gar keinen Begriff […]
Sonnabendnachmittag, 2 ½ Uhr in Mallets Hause und Studierstube
Soeben erhalte ich deinen Brief. […] Ich küsse dich und mein Engelslinchen, diese Krone, diese Freude! Grüße Mutter, Baumgartner, Hahl, Marie und alle lieben Kinder, Knaben und Mädchen, und sag’ allen, dass ich aufs herzlichste ihrer gedenke. Behalt mich lieb, du mein Herz und meine Seele! Du fühlst, wie dich liebt dein Hein.
(gekürzt nach dem Original, vollständige Transkription siehe Edition S. 43–50)
Vollständiger Wortlaut des zweiten Briefes mit Schilderungen der Bremer Armenviertel, des reformierten Waisenhauses und der Begegnungen mit Bürgermeister Nonnen, Mallet, Krummacher … (Edition S. 50–53).
Reisebericht über Bremer Pastorenkonferenz, Besuch bei Senator Fritze, Audienzen und die Arbeit des Evangelischen Vereins.
Eindrücke von Pastor Nielsen in Sarau, Bibelstunden, Gemeindearbeit und die landeskirchlichen Zustände Holsteins.
Arbeitshausbesuch, Begegnung mit Professor Huber, theologische Diskurse über „Johanneische Kirche“ und Collenbuschianer.
Schilderung von Wedendorf, Gräfin Bernstorff und die mecklenburgische Erweckungsbewegung.